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Die Christianisierung der Saargegend

Der König Chlodwig, ein Merowinger aus dem salischen Stamm, ließ sich als erster Franke nach römischem Ritus von Bischof Remigius aus Reims taufen und unterstellte sich damit der geistigen Macht, welcher die Welt zu dieser Zeit beherrschte. Den Franken wurde es dadurch möglich, eine auf Dauer angelegte Herrschaft auf romanischem Boden zu erlangen. Um die Christianisierung auf das übrige Herrschaftsgebiet auszudehnen, bediente man sich iroschottischer Mönche.

Typisches religiöses Zentrum war im frühchristlichen Irland nicht der Sitz eines Bischofs, sondern das Kloster. Dieses bestand nicht aus einer Ansammlung steinerner Häuser, sondern bildete vielmehr eine kleine Stadt mit Holzhütten, die an Straßen lagen und sich um eine kleine Steinkirche gruppierten. Hier lebten, arbeiteten und beteten Hunderte von Mönchen zusammen unter Aufsicht eines Abtes, der nach Gewohnheit unter den Mitgliedern der Stifterfamilie ausgewählt wurde (1).

Einer der ersten und berühmtesten Missionare war der Heilige Columba von Derry, der 563 das Kloster auf der Insel Iona ins Leben rief. Von dort aus wurden während des kommenden Jahrhunderts sowohl weite Teile Südschottlands als auch Nordenglands christianisiert. Andere irische Heilige setzten ihre Missionstätigkeit auch auf das Festland fort (2). In der Saargegend machten sich die Mönche Wendalinus, Ingobertus und die Nonne Oranna einen Namen. Sie gelten als die Pioniere im Rahmen der Christianisierung. Der heilige Wendalinus gilt als Gründer der Abtei Tholey.

Einen besonderen Ruhmestitel der Mönchskirche bildete die von ihr gepflegte literarische und künstlerische Bildung, durch die sie das damalige Britannien und auch das Festland befruchtet hat (3). Doch muss dies einschränkend betrachtet werden. Denn die Geistlichen kannten oft nur die Majuskeln (Großbuchstaben), die man in Büchern unverbunden nebeneinander stellte, im täglichen Leben aber miteinander verband. Erst im 9. und. 10. Jahrhundert standen Majuskeln und Minuskeln (Kleinbuchstaben) nebeneinander, bis sich im 11. Jahrhundert die Minuskeln allgemein durchsetzten (4). So stieß die Bibelgelehrsamkeit an Grenzen. Erst in karolingischer Zeit ließen sich hochgestellte Geistliche von Juden die Auslegung der heiligen Schrift lehren (5).

So waren die Missionare auf spektakuläre Taten angewiesen, um die meist an Flussläufen vorzufindende Bevölkerung zum Christentum zu bekehren. Der seelsorgliche Charakter des iroschottischen Kirchenwesens kommt in der eigentümlichen Bußpraxis zum Ausdruck. Denn man kannte nur die Beichte, auch geringerer Sünden, und für die Buße ein besonderes und strenges Zuchtrecht (3). Aber allmählich wurden die alten Klosterformen durch die Expansion der Benediktinerregel zurückgedrängt, so dass sich vor allem ein großer Aufschwung asketischen Lebens, insbesondere in der Rheingegend (die Klöster in Mettlach, St. Goar, Prüm, Echternach u. a.), durchsetzte (6).

Josef Theobald

Datum: 09. 08. 2009

Quellen:

(1) James Camlin Beckett, Geschichte Irlands, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1997, Seite 6.
(2) dito, Seite 7.
(3) Handbuch der Kirchengeschichte für Studierende, Das Altertum bearbeitet von Erwin Preuschen und Gustav Krüger, Verlag J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1923, § 49,3.
(4) Ernst Würthwein, Der Text des Alten Testaments, Privilegierte Württembergische Bibelanstalt, Stuttgart 1952, Seite 57.
(5) Heinrich Graetz, Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Gesamtausgabe, Band 5, arani-Verlag, Berlin 1996, Seite 234.
(6) siehe (3), § 48,8.

 

 

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