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Hondsfresser

"Hondsfresser " ist der dialektale Ausdruck für das Hochdeutsche Nomen "Hundefresser". Ein Begriff, der es wert ist genauer betrachtet zu werden.

"Der beste Freund des Menschen ist der Hund" - irgendwann hat jeder von uns diesen Satz in dieser oder ähnlicher Form gehört. Der Hund begleitet den Menschen seit Jahrtausenden und ist stets ein wachsamer Begleiter. Nicht umsonst lautet auch seine lateinische Bezeichnung "canis lupus familiaris". "Der Wolf als Hund zur Familie gehörig", nun gut etwas getrickst. Per Definition muss man natürlich "familiaris" mit "domestiziert" oder "Haus-" übersetzen und erhält somit der "Hund, als domestizierter Wolf".

Auf jeden Fall sahen und sehen viele Menschen ihre Hunde als Familienmitglieder an und nicht als wandelnde Fleischkonserven.

Was war aber nun los mit den Rodenern, dass man ihnen unterstellte, sie wären Hundefresser?

Einmal muss man feststellen, dass es den Begriff Hundefresser in ganz Deutschland gab und gibt*. Es war kein regional-spezifischer Neologismus, sprich das Verspeisen von Hunden ging über viele Jahre hinweg. Bei einem Okkasionalismus (Gelegenheitsbildung) wäre das Nomen nicht in die Lexik des saarländischen Dialektes bzw. sogar der deutsprachigen Lexik eingegangen.

Doch was veranlasste die Rodener oder sonstige Menschen dazu, sich dem Hund als Hauptgericht auszusuchen? Nun, der Begriff "auszusuchen" ist eigentlich schon das Problem. Er impliziert die freie Wahl der Menschen. Doch die Hundefleischfresser hatten schlicht keine Wahl. Sie waren zu arm, um sich etwas besseres zu kaufen. Denn an der auch damals schon interessanten deutsch-saarländischen Küche hat es sicherlich nicht gelegen, bei freier Wahl hätten sie sicherlich mit Freuden die Hunde laufen lassen.

"Hundeesser" gab es zu allen Notzeiten, sei es dem "30jährgen Krieg", dem 1. und 2. Weltkrieg, der langen Phase der Industrialisierung geprägt von Kinderarbeit und trotzdem gewaltiger Armut. Die Menschen taten schlicht alles um zu überleben.

Ein anderer Aspekt wurde von Josef Theobald im WKW-Forum kurz angeschnitten. Heute sorgen Kontrolleure für die Gewissheit, dass das Fleisch, das in den Verkauf gelangt, in einem hervorragendem Zustand ist und dass das Fleisch zudem auch genau das ist, als was es deklariert wurde. Vor dem 20. Jahrhundert war dem aber nicht so, es gab entweder gar keine oder keine so ausgeklügelten Kontrollen. Und so hat auch der ein oder andere Schlachter sein Einkommen durch gehaltvolle Zugabe von recht billigem Hundefleisch verbessert.

* vgl: Hans Schmeyer: "Einem Meister in der Stuhlfabrik Matheu in Fraulautern hatte man nachgesagt er sei ein Hondsfresser."

Dr. Andreas Neumann

 

 

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