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Maitour - Eine ( wahre ) Geschichte -

Rodener Kinder mussten während der Evakuierung im 2. Weltkrieg an ihrer Schule einen Aufsatz über ihre Heimat schreiben. So auch ein Cousin von mir, der den folgenden Aufsatz - so oder so ähnlich -geschrieben hat:

Ma-ijtua

Am Owend, nohem Nahtessen, saht der Papa: "Dir Kenner", jetz awwer dapperdommeldich enett Bett, moor Moi-en machema en aller Herrgottsfra-ijh en Ma-ijtua "!

Moi-jens semma, wie emma, omm 6-auer wach genn, weil de Mama de Owen ahngemach onn met da Kiss laut drenn rommgestochelt hodd. Nohem Kaffee, ma wooren gewäscht onn geschdrählt, hamma lank Strempb onne dick Box met Galljer ahngezoh , weil et am Moi-en - et worjo grad Aafang Ma-ij - noch besselchin gekälzt hodd, Befor ma gang senn, mennt de Mama noch: "Jetza gehn net so weit, sonscht handa noi-ja Plo-dern an de Fie-ß, onn wie die zengern, datt wäsen da joh" "Papa onn dau, dau zi-aescht aach am beschten nochen dicka Chemisett ahn, wejen da Kält! Ma wooren grad off da Schwell onn hodden noch de Schlenk enda Hand, do mennt da Papa: "Er seht gehma mol langes de Haiser, onn do, wohett gutt ri-echt, do gehma dann noda Tua renn essen!"

Do hann aich so beimia gedänkt: So gutt, wi-ett bei da Mama ri-echt, wennse Rendfläschsopp met Marchklees, Rollladen met blo-hem Kappes on Pirre macht on dannoh Krimmelko-uchen backt, so gutt, kannet bei anner Leit gaanett ri-echen.

Fon da Schoolgass aus, semma ersiht durch de Gässelcha on dorch de klähn Rath bis an de Onnerfürung am Pälzer Hoff gang. Et woor so-enn scheener Ma-iendach. De Sonn wor aach schon lang off, onn de Vichell han getrellert. Enn de Gä-erten hann de Leit geschafft, der alt Struwwels-Kulla, der bai-em Kaatenschpillen emma gefautelt hodd, onn da ewich lädich Kiefa Jäb aus da Häerengass. Millersch Loni, datt se Greschpennes nannten, onnett Schampasch Gret, hodden nommel de Naupen. Geejenseitich hannse sich ihren Buddick onn ihr Gemelter emm Gaaten vorgehall. Die zwai hodden ewich Zores. Awwer Owends wor alles vagess onn se hann nommel sesammen gem-aid. Em Nobergaaten hatt die alt Plantasch Me-im offda Bank gehuckt onn enda Sonn ihr Gempschin gehall. Da Bockmatz, der alt Krebeler, der met de Geisen enn de Wies gang es, hodd de Papa gefroot: "O-leck", wo geescht dau dann schonn met de Kenner hinn? "Mia machen en Ma-ijtua, saht da Papa!" "Scheen", scheen, saht da Bockmatz onn es met de Gaisen waitergetroddelt.

Am kleenen Dohlen, der onner da Baahn en de Sandkaul geeht, hamma de ersiht Paus gemacht. Em Dohlen woor en Bourm met emmer kloorem Wasser, datt hamm getronk onn us Schmären met Leoner vom Metzga Wik aus da Scholgass gess. Dannoh semmer emmer langes de Bahn bis oowen an de Brouchwech gang. Fon do iwwer de Schinnen onn iwwer de Reederberg enett Kommunistenfeertel off de Fälder. Zweschen Gromperschtecker on Koorschtecker am Kirchoff fobei, bes an de Buttches-Käller. He-i wor user Ma-ijtua se enn. Bevor ma dorch de Hälichgass, am Onkel Josef sei Haus onn beim Hesedenz fobei hemm gang senn, hamma us noch zweschen de Premmen hingehuckt, onn off Rooden ronnergelout on gedänkt:

"Et es doch ganz scheen, user Hämm. "

On haut am Dach, enda Frem, wo eich de Aufsatz lo schreiwen, danken eich: "Hämm, neischt wie hämm, no Rooden "!

Mit diesen Worten endet der Aufsatz. Nach dem die Lehrerin die Aufsätze korrigiert hatte, kam sie eines Tages völlig aufgelöst in die Schule.

In der Klasse, den Tränen fast nahe, rief sie aus: "Kinder, Kinder", was ist das für eine Sprache? "Wo wird so geschrieben"? Dabei gab sie meinem Cousin seine Arbeit zurück und fragte ihn: "Kind", wo kommst Du her? "Wo spricht man diese Sprache"?

"Ei, enn Roden Frollein, enn Roden!"

 

Nachstehend eine Übersetzung des Aufsatzes für all jene, die der Rodener Mundart nicht mächtig sind, diese verlernt oder vergessen haben:

Maitour

Abends, nach dem Abendessen, sagt unser Papa: "Ihr Kinder ", jetzt ganz schnell in’s Bett, morgen machen wir in aller Herrgottsfrüh eine Maitour!

Am Morgen sind wir dann, wie immer, gegen sechs Uhr wach geworden, weil die Mama den Ofen angefacht und mit dem Schürhaken laut den Herd sauber gemacht hat.

Nach dem Frühstück, wir Kinder waren gewaschen und gekämmt, haben wir lange Strümpfe und eine dicke Hose mit Hosenträger angezogen, weil es morgens, - es war gerade Anfang Mai - doch noch kühl war. Bevor wir das Haus verließen, sagte die Mama noch: "Nun geht nicht zu weit, sonst habt ihr nachher Blasen an den Füßen und wie diese schmerzen können, das wisst ihr ja!" "Und du Papa ", du ziehst auch besser ein dickeres Hemd wegen der Kälte an! Wir waren gerade aus dem Haus und hatten noch die Türklinke in der Hand, als der Papa meinte: "Zuerst gehen wir an den Häusern entlang und bei dem Haus, wo es besonders gut riecht, da gehen wir dann nach unserer Tour hinein zum essen!" Dabei habe ich so bei mir gedacht: "So gut, wie es bei unserer Mama riecht, wenn sie Rindfleischsuppe mit Markklösschen, Rollladen mit Rotkraut und Püree macht und danach Streuselkuchen backt, so gut kann es bei anderen Leuten gar nicht duften."

Von der Schulstraße aus sind wir zunächst durch die schmalen Gassen hinter den Häusern und durch die kleine Rathstraße bis zur Eisenbahnunterführung am "Pfälzer Hof" gegangen. Es war ein sehr schöner Maientag. Die Sonne schien vom wolkenlosen blauen Himmel und in der lauen Frühlingsluft zwitscherten die Vögel. In den Schrebergärten arbeiteten die Leute, der „Struwwels Kulla", der Kartenspiel ständig falsch spielte und der ewig müde Kiefer Jakob aus der Herrenstraße. Eleonore Müller, die man wegen ihrer dünnen mageren Gestalt "Greschpennes" nannte und die Frau Schamper hatten wieder einmal schlechte Laune und stritten lauthals miteinander. Gegenseitig hielten sie sich das Durcheinander und das Gerümpel im jeweiligen Garten vor. Aber am Abend war dann alles wieder vergessen und sie saßen friedlich beieinander. Im Nachbargarten saß die greise "Oma Planter" auf der Bank und hielt in der Sonne ein kleines Schläfchen. Der "Bockmatz", als alter Nörgeler und Rodener Original bekannt, war mit seinen Ziegen auf dem Weg in die Wiesen und meinte zu unserem Papa:

"Ei, wo gehst Du denn schon mit den Kindern hin? "Wir machen eine Maitour, entgegnete unser Papa!" "Schön, schön" entgegnete er und ist mit seinen Tieren weiter gezogen.

An der kleinen Unterführung, die unter dem Bahndamm in die Sandkaul führt, haben wir die erste Rast gemacht. In dem Durchgang befand sich eine Quelle. Wir tranken das frische Wasser aus der Quelle und aßen dazu unsere Butterbrote mit Lyoner vom Metzger Wik. Danach gingen wir immer am Bahndamm entlang bis zum Bahnübergang am Bruchweg. Wir durchquerten das so genannte Kommunistenviertel hinter dem Röderberg. Zwischen Kartoffel- und Kornfelder ging es am Friedhof vorbei zum Boudier - Keller, einer Anhöhe oberhalb der früheren Feldstraße. Hier endete unsere Maitour.

Bevor wir den Heimweg durch die Heiligenstraße, am Hause unseres Onkels Josef und am Hesedenz vorbei antraten, haben wir uns zwischen Ginsterbüschen hingesetzt und eine letzte Pause eingelegt. Von hier oben schauten wir auf Roden hinab und dachten dabei: "Unser Roden, unser Heimatdorf ist eigentlich ganz schön".

Und heut am Tag, in der Fremde, in der ich diesen Aufsatz schreibe, denke ich: "Heim, heim nach Roden".

 

Ahnen- und Heimatforscher Walter Schmolenzky

 

 

 

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